Thursday, 29 July 2010 10:05
Boom der Ungleichheit
Für mehr als jede dritte Stelle, die der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Juni gemeldet wurde, suchten die Betriebe einen Leiharbeiter. Deutliche Kritik an diesem Trend übten IG Metall und Linkspartei.Die Motivation der Firmen für diese Praxis ist offensichtlich: In der Zeitarbeitsbranche gibt es zwar einen Tarifvertrag, jedoch keinen verbindlichen Mindestlohn. Die über diese Firmen in den Betrieben Beschäftigten verrichten bei deutlich schlechterer Bezahlung dieslben Tätigkeiten wie fest Angestellte. Der Vorsitzende der Gewerkschaft nannte dies "das Bestreben, ein niedrigeres, zweites Tarifniveau zu etablieren."
Die aktuellen Zahlen entstammen einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei, wie Berliner Zeitung und Spiegel online berichten. Während noch im Januar für 26 Prozent der neu gemeldeten Stellen Zeitarbeiter gesucht wurden, stieg diese Quote bis Juni auf 35 Prozent. Diese Zahlen veröffentlicht die Bundesagentur nicht so gerne, wenn sie allmonatlich vermeldet, wie stark die Konjunktur wieder anzieht und den Arbeitsmarkt dadurch stabilisiert.
Bedenklich erscheint vor allem, dass viele Firmen das Instrument Leiharbeit mittlerweile dazu nutzen, regelmäßig anfallende Arbeit zu Dumpinglöhnen verrichten zu lassen. Die auf diese Weise Beschäftigten sind nicht selten gezwungen, ergänzende Alg2-Leistungen zu beantragen - haben also monatlich nicht mehr Geld als jeder Hartz IV-Empfänger.
Profiteure dieser Entwicklung sind die Firmen, die dadurch die gesetzlichen Mindestlöhne umgehen, wie auch die Regierung, da die Zeitarbeiter aus der unangenehmen Arbeitslosenstatistik herausfallen.

